Ralf Becker, gewaltfrei handeln Koordinator

 

Eine Spiritualität der Verbundenheit und der Verwundbarkeit

 

-     -  wir stehen für die Überwindung autoritärer Religionen

 

 

 

Unsere christliche wie auch die muslimische Religion ist seit vielen Jahrhunderten sehr autoritär gedeutet und gestaltet worden - wohl auch als Folge des lange Zeit prägenden Einflusses von Männern bei der Ausgestaltung von Religion und Kirche.

 

 

Wir stehen für eine Spiritualität der Verwundbarkeit und Verbundenheit, wie sie Dorothee Sölle 1975 so ausdrückte: „Diese religiöse Erfahrung des Einsseins mit dem Ganzen, die größere Freude und größere Verwundbarkeit einschließt, ist nur für einen möglichen Typ von Religion konstituierend: den Typ ‚humanitärer‘ im Gegensatz zu ‚autoritärer‘ Religion.“

 

 

Autoritäre Religion ist nach Erich Fromm „die Anerkennung einer höheren unsichtbaren Macht, die Anspruch auf Gehorsam, Verehrung und Anbetung hat. Gott ist machtvolle Autorität, der Mensch macht- und bedeutungslos“, die „Empfindung der eigenen Nichtigkeit macht den Grundgehalt aller autoritären Religionen aus.“ [1]

 

 

Wenn wir diese Art autoritärer Religion transformieren, können wir uns der Komplexität, der Ambivalenz, der Widersprüchlichkeit, der Verletzbarkeit und Verbundenheit unserer Welt und des Lebens so öffnen, dass Krieg überwunden und Frieden möglich wird. Autorität genießen dann die geschwisterlichen Beziehungen zu anderen Menschen, in denen ich meine göttliche und menschliche Schwester und meinen göttlichen und menschlichen Bruder erkenne.


Gott begegnet mir dann in meinem menschlichen Gegenüber:

 

„Die Verwundbarkeit und Schutzlosigkeit des Menschen sind die Vorbedingung für seine Fähigkeit zu Offenheit und Solidarität... Sie sind eine notwendige Voraussetzung für menschliche Sicherheit, der es nicht einfach darum geht, mich und das Meine zu verteidigen, oder uns und das Unsere... Die Anerkennung der Verwundbarkeit... führt zur Anerkennung der Sicherheit des Anderen, des Fremden, als meine – unsere gemeinsame Verantwortung.

 

 

Anerkennung unserer eigenen Verwundbarkeit kann einen Wunsch nach Kooperation statt nach Konflikt entstehen lassen... Dieses doppelte Verständnis von Verwundbarkeit ermöglicht ein grundsätzliches Überdenken dessen, was Sicherheit wirklich meint.“[2]

 

Diese Art von Spiritualität ermöglicht dann die Herstellung ‚Gemeinsamer Sicherheit‘, wie sie als politisches Konzept zur Überwindung des ‚Kalten Krieges‘ in Europa entwickelt worden ist.[3]

 

 

 

in Anlehnung an: 
„Die Bedeutung von Glaube und Spiritualität im Prozess des Gerechten Friedens“, Vortrag von Antje Heider-Rottwilm,
Vorsitzende des europäischen Netzwerks church and peace und Kuratoriumsmitglied sowie Mitglied von gewaltfrei handeln e.V., beim Studientag „Kirche des gerechten Friedens werden – Wie machen wir das?“ in Fulda am 4.11.2017[4]

 



[1] aus: Endlichkeit und Ewiges Leben. Zur Mystik des Todes, 2002, Publikation der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft e.V. Publication of the International Erich Fromm Society.

[2]VULNERABILITY AND SECURITY, Current challenges in security policy from an ethical and theological

perspective, Prepared by the Commission on International Affairs in the Church of Norway Council on

Ecumenical and International Relations, 2000, Übersetzung Antje Heider-Rottwilm, siehe:  https://kirken.no/globalassets/kirken.no/church-of-norway/dokumenter/kisp_vulnerab_00.pdf, S.2

[3] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsame_Sicherheit

[4] Siehe Manuskript anbei